Freilichtmuseum am Kiekeberg

Bewertung: 5 von 5.

Im Oktober 2025 führte uns ein gemeinsamer Ausflug erneut zum Freilichtmuseum am Kiekeberg in Rosengarten bei Hamburg. Bei wolkenlosem Himmel, aber kühlen Temperaturen zeigte sich der Herbst von seiner klaren Seite – ideal für einen Tag zwischen historischen Gebäuden, alten Handwerkskünsten und lebendig dargestellter Geschichte.

Das Museum, eines der bedeutendsten Freilichtmuseen Norddeutschlands, bot an diesem Wochenende ein besonderes Programm unter dem Motto „Gelebte Geschichte“. In verschiedenen Bereichen des weitläufigen Geländes wurden drei Epochen eindrucksvoll zum Leben erweckt: die Jahre 1804, 1904 und 1945.

In der Darstellung des Jahres 1804 standen das bäuerliche Leben, die Landwirtschaft und das dörfliche Handwerk im Mittelpunkt. In typischer Kleidung jener Zeit bereiteten Darsteller Brot im Lehmofen zu, führten Spinnräder vor und erklärten die mühsame Arbeit auf dem Feld ohne moderne Maschinen. Die Atmosphäre vermittelte ein lebendiges Bild davon, wie entbehrungsreich, aber auch gemeinschaftsorientiert das Leben vor über 200 Jahren war.

Die Szene von 1904 zeigte eine Zeit des Aufbruchs und des beginnenden technischen Wandels. Besucher konnten erleben, wie sich Dampfmaschinen, erste Fahrräder und frühe elektrische Geräte allmählich in den Alltag integrierten. Auch die Veränderungen in Kleidung, Ernährung und Rollenbildern wurden anschaulich dargestellt – vom Schulunterricht im Klassenzimmer bis zum Dorfladen mit Waren aus der Kaiserzeit.

Besonders eindrucksvoll war die Darstellung des Jahres 1945, die den Alltag in der unmittelbaren Nachkriegszeit thematisierte. In improvisierten Küchen wurde mit knappen Lebensmitteln gekocht, Kleidung aus alten Stoffen geflickt und die Atmosphäre des Neuanfangs vermittelt. Gespräche mit den Darstellern ließen erkennen, wie schwer die Zeit unmittelbar nach Kriegsende für viele Menschen war, aber auch, wie stark der Wille zum Wiederaufbau und zur Hoffnung auf eine bessere Zukunft gewesen ist.

Neben den historischen Darstellungen bietet das Ausstellungsgelände des Freilichtmuseums eine große Vielfalt: Zahlreiche originalgetreu wiederaufgebaute Fachwerkhäuser, Bauernhöfe, Werkstätten, Scheunen und Gärten geben Einblicke in das Leben vergangener Jahrhunderte in der Lüneburger Heide und im Alten Land. Besonders sehenswert sind der Kiekeberger Hof aus dem 18. Jahrhundert, die historische Dorfschule, eine Schmiede, eine Kornbrennerei und die Museumsbauernhöfe, auf denen alte Haustierrassen gehalten werden.

Auch die neueren Bereiche wie das Agrarium, eine moderne Ausstellung zu Landwirtschaft, Ernährung und Technik, zeigen den Wandel von der Handarbeit bis zur industriellen Landwirtschaft. Kinder und Familien erfreuen sich zudem an der Spielwelt mit historischen Spielzeugen, an der Molkerei, den alten Traktoren sowie an Vorführungen alter Handwerke wie Töpferei, Weberei oder Böttcherei.

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg schafft es damit, Geschichte auf vielfältige Weise erfahrbar zu machen – in authentischer Umgebung, mit lebendigen Darstellern und einer beeindruckenden Detailtreue.

Fazit: Der Besuch im Freilichtmuseum am Kiekeberg war nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch eine Erinnerung daran, wie sich das Leben über die Jahrhunderte verändert hat – von der Handarbeit bis zur Nachkriegszeit. Trotz der kühlen Temperaturen lohnte sich der Ausflug in jeder Hinsicht. Das Konzept „Gelebte Geschichte“ vermittelte eindrucksvoll, dass Geschichte nicht nur in Büchern steht, sondern überall dort spürbar ist, wo Menschen sie mit Leidenschaft erzählen.

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