Neue Apelmännchen in Hamburg

Im Januar 2026 hat Hamburg mit einer kleinen, aber aufmerksamkeitsstarken Maßnahme im öffentlichen Raum für Gesprächsstoff gesorgt: An ausgewählten Fußgängerampeln wurden die klassischen Ampelmännchen durch Ernie und Bert aus der Sesamstraße ersetzt. Was zunächst verspielt erscheint, ist bei näherer Betrachtung ein bewusst gesetztes Projekt an der Schnittstelle von Verkehrssicherheit, Stadtmarketing und kultureller Identität.

Die Grundidee hinter den neuen Apelmännchen ist ebenso einfach wie nachvollziehbar. Ungewohnte Symbole durchbrechen Routinen. Gerade im städtischen Alltag, in dem Wege oft automatisiert zurückgelegt werden, kann ein Moment der Irritation dazu beitragen, dass Menschen bewusster hinschauen und Verkehrsregeln aktiver wahrnehmen. Ernie signalisiert in Grün das Gehen, Bert steht in Rot für das Warten. Beide Figuren sind generationsübergreifend bekannt und positiv besetzt. Regeln werden dadurch nicht abstrakt, sondern emotional und unmittelbar verständlich vermittelt.

Die Auswahl der Standorte erfolgte nicht zufällig. Installiert wurden die besonderen Ampelmännchen an zwei Kreuzungen in direkter Nähe zu Einrichtungen des Norddeutscher Rundfunk. Konkret handelt es sich um die Fußgängerampeln Hugh-Greene-Weg / Julius-Vosseler-Straße im Stadtteil Lokstedt sowie Rothenbaumchaussee / Oberstraße in Harvestehude. Beide Orte liegen im Umfeld von NDR-Gebäuden und stellen damit einen klaren Bezug zur deutschen Sesamstraße her, die seit Jahrzehnten eng mit Hamburg verbunden ist. Aus einer reinen Verkehrsmaßnahme wird so ein kulturell verankerter Akzent im Stadtbild.

Begleitet wurde das Projekt durch den Sesame Workshop, die internationale Organisation hinter der Sesamstraße. Damit ist die Aktion klar als abgestimmtes und offiziell getragenes Vorhaben einzuordnen – nicht als kurzfristiger PR-Gag, sondern als bewusst platzierte Intervention im öffentlichen Raum.

Die Resonanz auf die neuen Apelmännchen fiel insgesamt vielfältig aus. Viele Passantinnen und Passanten reagierten positiv, blieben stehen, machten Fotos oder wiesen andere auf die ungewöhnlichen Ampeln hin. In sozialen Netzwerken verbreiteten sich entsprechende Motive schnell. Genau dieser Effekt war Teil des Konzepts: Aufmerksamkeit erzeugen, Blickrichtungen verändern und damit auch Verhalten bewusster machen. Gleichzeitig spielte der Nostalgiefaktor eine große Rolle. Für viele Erwachsene wecken Ernie und Bert Erinnerungen an die eigene Kindheit, während Kinder die Figuren unmittelbar erkennen und einordnen können.

Häufig hervorgehoben wurde zudem der pädagogische Aspekt. Die Sesamstraße steht seit jeher für niedrigschwellige Wissensvermittlung. Dieses Prinzip wird hier auf den Stadtraum übertragen. Verkehrssicherheit wird nicht belehrend, sondern spielerisch kommuniziert – ein Ansatz, der insbesondere bei Kindern und Familien auf Zustimmung stößt.

Fazit: Durchwachsene, aber überwiegend positive Resonanz

Die Einführung der Ernie-und-Bert-Apelmännchen in Hamburg wurde insgesamt überwiegend positiv, wenn auch nicht einhellig aufgenommen. Viele Menschen bewerteten die Idee als kreativ, sympathisch und aufmerksamkeitsstark. Der Bezug zur Sesamstraße und zum Medienstandort Hamburg wurde vielfach als stimmig und identitätsstiftend empfunden. Auch der Ansatz, Verkehrssicherheit auf eine spielerische und niedrigschwellige Weise zu vermitteln, fand breite Zustimmung.

Gleichzeitig gab es vereinzelt kritische Stimmen. Diese stellten vor allem den langfristigen Nutzen über den anfänglichen Überraschungseffekt hinaus infrage oder sahen die Maßnahme eher als nette Spielerei denn als substanziellen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Insgesamt blieben diese Einwände jedoch in der Minderheit.

Unterm Strich zeigt das Projekt, dass kreative Eingriffe im öffentlichen Raum Diskussionen auslösen dürfen – und sollen. Die Ernie-und-Bert-Apelmännchen haben Aufmerksamkeit erzeugt, Gespräche angestoßen und dem Stadtbild einen ungewohnten, menschlichen Akzent verliehen. Damit erfüllen sie ihren Zweck: unaufgeregt, sichtbar und im besten Sinne typisch Hamburg.

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