Eisberge in „Grönhacht“ bei Hamburg

Bewertung: 4 von 5.

Der gemeinsame Besuch an der Elbe am Geesthachter Wehr im Januar 2026 entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Natur- und Zeitereignis. Entlang des Flusses zeigte sich ein in dieser Form seltenes winterliches Schauspiel: Zahlreiche Eisschollen und große, teils übereinandergeschobene Eisberge trieben langsam elbabwärts und sammelten sich insbesondere im Bereich des Wehrs. Anhaltender Frost, gedämpftes Winterlicht und die sichtbare Kraft des Wassers verliehen der Szenerie eine eindrucksvolle, beinahe archaische Wirkung.

Ursächlich für dieses Phänomen waren mehrere Tage mit dauerhaft niedrigen Temperaturen sowie Eisbildung in den oberen Abschnitten der Elbe. Da die Elbe aufgrund ihrer Strömung und – im Unterlauf – des Tideeinflusses nur selten vollständig zufriert, entsteht bei solchen Wetterlagen vor allem Treibeis. Dieses sammelt sich bevorzugt an Engstellen und wasserbaulichen Anlagen. Das Geesthachter Wehr als letzte Staustufe der Elbe vor dem tidebeeinflussten Bereich ist hierfür ein besonders sensibler Punkt, an dem sich große Mengen Eis konzentrieren und zu markanten Eisformationen verdichten.

Bereits im Vorfeld waren umfangreiche Maßnahmen erforderlich, um die Funktionsfähigkeit der Wasserstraße sicherzustellen. Oberhalb der Staustufe und der Schleuse kamen Eisbrecher zum Einsatz, um die Elbe von festem Eis zu befreien. Ziel dieser Arbeiten war es, die Fahrrinne wieder passierbar zu machen und die Binnenschifffahrt nach der Frostperiode erneut aufnehmen zu können. Durch das Aufbrechen und Zerkleinern der geschlossenen Eisdecken geriet eine große Menge Eis in Bewegung – ein Prozess, der maßgeblich zu den eindrucksvollen Eisansammlungen am Wehr beitrug und zugleich die enge Verzahnung von Naturereignissen und kritischer Infrastruktur verdeutlichte.

Das außergewöhnliche Naturschauspiel sprach sich rasch herum und zog innerhalb kurzer Zeit hunderte Besucherinnen und Besucher an. Menschen aus Geesthacht sowie aus der umliegenden Metropolregion machten sich auf den Weg, um das seltene Winterphänomen aus nächster Nähe zu beobachten. Die starke Nachfrage führte jedoch zu erheblichen Belastungen der örtlichen Infrastruktur. Wie viele andere parkten auch wir weit entfernt und legten den restlichen Weg zu Fuß zurück – rund zwei Kilometer bis zum Geesthachter Wehr. Der lange Fußweg wurde von zahlreichen Menschen in Kauf genommen und verdeutlichte sowohl die Dimension des Besucherandrangs als auch die besondere Anziehungskraft dieses Naturereignisses.

Trotz klarer Hinweise und Sperrungen parkten einzelne Besucherinnen und Besucher dennoch in unmittelbarer Nähe des Wehrs oder entlang gesperrter Zufahrten. Dabei wurden Zufahrtsstraßen sowie Geh- und Fahrradwege blockiert oder erheblich behindert. Nach Presseberichten müssen die betreffenden Fahrzeughalterinnen und -halter daher in den kommenden Tagen mit Post vom Ordnungsamt rechnen. Demnach ist von einem Bußgeld in Höhe von rund 50 Euro auszugehen. Diese Konsequenzen verdeutlichen, dass auch bei außergewöhnlichen Naturereignissen die Einhaltung von Verkehrs- und Sicherheitsregeln unerlässlich ist.

Um die Sicherheit aller Anwesenden zu gewährleisten und insbesondere Rettungs- und Einsatzwege freizuhalten, sah sich die Stadt bereits während des Besucheransturms gezwungen, mehrere Zufahrten zum Wehrbereich vorübergehend zu sperren. Diese Entscheidung war angesichts der Menschenmengen, der rutschigen Wege und der Nähe zu bewegtem Eis zwingend erforderlich. Begleitend wurde eindringlich darauf hingewiesen, die Eisflächen keinesfalls zu betreten und ausreichenden Abstand zum Ufer einzuhalten, da jederzeit Eisschollen abbrechen oder ihre Lage verändern konnten.

Die Atmosphäre vor Ort wurde von vielen als außergewöhnlich und beinahe surreal empfunden. Die mächtigen Eisschollen, die kantigen Eisberge und die gedämpfte Geräuschkulisse vermittelten den Eindruck, sich eher in einer arktischen Region als an einem Abschnitt der Elbe in Norddeutschland zu befinden. Diese Wahrnehmung fand ihren Ausdruck in einer scherzhaften, aber treffenden Wortschöpfung: Aus Geesthacht wurde augenzwinkernd „Grönhacht“ – eine humorvolle Anspielung auf Grönland und dessen eisgeprägte Landschaften. Der Vergleich brachte das kollektive Staunen und die besondere Stimmung dieses Wintertages prägnant auf den Punkt.

Fazit: Der Besuch am Geesthachter Wehr im Januar 2026 bleibt damit als prägender Wintermoment in Erinnerung. Er zeigte eindrucksvoll, wie stark Naturereignisse auch in einer dicht besiedelten Region wirken können, welche logistischen und infrastrukturellen Maßnahmen sie erfordern und wie wichtig umsichtiges und regelkonformes Verhalten aller Beteiligten ist. Für einen kurzen Moment schien die Elbe atmosphärisch weit in den Norden gerückt zu sein – und Geesthacht verwandelte sich gefühlt in ein kleines Stück Arktis.

Link:

Hamburg Journal: Geesthacht: Meterhohe Eisberge ziehen viele Schaulustige an – hier anschauen

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