Insel Fehmarn

Bewertung: 4 von 5.

Am 25. Januar führte uns ein gemeinsamer Tagesausflug mit dem Auto auf die Insel Fehmarn. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einem teils kräftigen, eisigen Wind zeigte sich die Ostseeinsel von ihrer typischen Winterseite: rau, klar und ungewöhnlich ruhig. Abseits der Hauptsaison entsteht auf Fehmarn eine besondere Atmosphäre, in der Natur, Geschichte und Landschaft deutlich stärker wirken als in den belebten Sommermonaten.

Bereits bei der An- und Abreise wurde deutlich, dass sich die Insel aktuell auch infrastrukturell im Wandel befindet. Die Fehmarnsundbrücke wird derzeit umfassend saniert. Ein Hinweisschild weist auf eine Bauzeit von über acht Jahren hin. Die Sanierung unterstreicht die Bedeutung der Brücke als zentrale Verkehrsverbindung zwischen dem Festland und der Insel, macht aber zugleich deutlich, dass Fehmarn sich auf langfristige Veränderungen im Zuge des Ausbaus der Verkehrsachsen einstellt.

Viele Geschäfte auf der Insel waren zu dieser Jahreszeit geschlossen, was den Eindruck der Nebensaison zusätzlich verstärkte. Auch die sonst geltende Bäderregelung, die in den touristischen Orten das Erscheinungsbild, die Strandnutzung und bestimmte Vorgaben prägt, gilt im Januar nicht. Dadurch wirkte Fehmarn insgesamt freier, ursprünglicher und weniger reglementiert. Nur wenige Gäste waren unterwegs; zahlreiche Menschen nutzten die Insel offenbar lediglich als Durchgangsstation auf dem Weg zu den Fährverbindungen in Richtung Skandinavien. Diese Mischung aus winterlicher Ruhe und Transitverkehr prägte das Gesamtbild des Tages.

Erste Station war das Meereszentrum Fehmarn. Das Meereszentrum zählt zu den größten tropischen Aquarien Nordeuropas und bietet einen umfassenden Einblick in unterschiedliche Lebensräume der Weltmeere. Besonders die großen Becken mit Haien und Rochen vermitteln eindrucksvoll die Dimensionen und die Vielfalt maritimer Ökosysteme. Der Besuch bildete einen deutlichen Kontrast zur kalten, windigen Witterung draußen und lud dazu ein, sich intensiver mit Meeresbiologie, Artenschutz und den empfindlichen Gleichgewichten der Ozeane auseinanderzusetzen.

Im weiteren Verlauf des Tages besuchten wir den Gedenkstein für Jimi Hendrix bei Flügge. Er erinnert an das letzte Konzert des Musikers, das im September 1970 im Rahmen des „Love-and-Peace-Festivals“ auf Fehmarn stattfand – nur wenige Tage vor seinem Tod. Damit ist dieser Ort ein Teil internationaler Musikgeschichte. Die schlichte Gedenkstätte fügt sich unaufdringlich in die Landschaft ein und wirkte bei winterlicher Kälte und starkem Wind besonders still und nachdenklich.

Anschließend führte der Weg zum Strand bei Flügge. Die Westküste Fehmarns ist für ihre offene Lage zur Ostsee und ihre oft kräftigen Winde bekannt. Im Winter entfaltet dieser Küstenabschnitt einen eigenen, rauen Reiz: Das Meer wirkt ungestümer, die Farben sind reduziert, und die Weite der Landschaft tritt deutlich in den Vordergrund. Ein Spaziergang am Strand war weniger von klassischer Erholung geprägt, sondern vielmehr von einer intensiven Naturwahrnehmung, die Raum für Ruhe und Reflexion ließ.

Den Abschluss bildete der Besuch des Leuchtturms bei Flügge, einem markanten Wahrzeichen an der Westküste der Insel. Der Leuchtturm diente über Jahrzehnte als wichtiger Orientierungspunkt für die Schifffahrt in der Ostsee und steht sinnbildlich für die maritime Geschichte Fehmarns. Auch wenn er heute seine ursprüngliche Funktion weitgehend verloren hat, prägt er die Küstenlandschaft weiterhin und erinnert an die enge Verbindung der Insel zur Seefahrt.

Fazit: Insgesamt zeigte sich Fehmarn an diesem Januartag von einer stillen, authentischen Seite. Die geringe Zahl an Besucherinnen und Besuchern, die geschlossenen Geschäfte, die fehlende Bäderregelung und die sichtbaren Infrastrukturmaßnahmen wie die Sanierung der Fehmarnsundbrücke unterstrichen den Charakter der Nebensaison. Die Kombination aus winterlicher Natur, maritimer Geschichte und kulturellem Hintergrund machte den Ausflug trotz – oder gerade wegen – der kalten Temperaturen zu einer eindrucksvollen Erfahrung und zeigte, dass Fehmarn auch jenseits der Sommermonate seinen ganz eigenen Reiz besitzt.

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