Manchmal liegen die schönen Ausflugsziele näher, als man denkt. Am 5. Oktober haben wir einen sonnigen Herbsttag genutzt, um das Niendorfer Gehege im Hamburger Bezirk Eimsbüttel zu besuchen. Und obwohl wir Hamburg inzwischen wirklich gut kennen, gibt es immer wieder Orte, die uns überraschen. Das Niendorfer Gehege gehört definitiv dazu.

Fast 150 Hektar Natur mitten in Hamburg

Zwischen Niendorf, Stellingen, Eidelstedt und Schnelsen erstreckt sich ein knapp 150 Hektar großes Wald- und Naherholungsgebiet. Rund 15 Kilometer Wanderwege führen durch das Gehege. Besonders beeindruckend ist der alte Baumbestand: Einige Buchen und Eichen sind bis zu 200 Jahre alt.

Wer hier unterwegs ist, kann schnell vergessen, dass er sich noch immer in einer Millionenstadt befindet. Nur gelegentlich erinnern Geräusche aus der Umgebung daran, dass Straßen, Wohngebiete und auch der Hamburger Flughafen nicht weit entfernt sind.

Gerade dieser Kontrast macht für uns den Reiz aus: Hamburg ist Hafen, Elbe, Innenstadt und Großstadt – aber eben auch erstaunlich viel Natur.

Ein sonniger Oktobertag im Wald

Für unseren Besuch hätten wir uns kaum einen besseren Tag aussuchen können. Die Sonne schien und tauchte den Wald in ein wunderbar warmes Herbstlicht.

Anfang Oktober war die Natur dabei noch mitten im Übergang. Zwischen dem verbliebenen Grün zeigten sich bereits die typischen Gelb-, Braun- und Goldtöne des Herbstes. Wenn dann die Sonne durch die Baumkronen fällt, bekommt ein einfacher Waldspaziergang eine ganz besondere Atmosphäre.

Wir beließen es allerdings nicht bei einer kleinen Runde.

Stattdessen liefen wir ausgiebig durch das gesamte Niendorfer Gehege und erkundeten die unterschiedlichen Bereiche des weitläufigen Areals. Breite Waldwege wechseln sich mit offenen Wiesen und alten Alleen ab. Gerade diese Struktur erinnert daran, dass das heutige Waldgebiet ursprünglich teilweise als Parkanlage gestaltet wurde. Alte Alleen und systematisch angelegte Wiesenflächen sind bis heute erkennbar.

Dabei zeigt sich auch, wie vielseitig das Gebiet genutzt wird. Spaziergänger und Wanderer sind hier ebenso unterwegs wie Jogger, Radfahrer, Reiter oder Menschen mit ihren Hunden.

Damwild mitten im Gehege

Zu den bekanntesten Attraktionen gehört das Wildgehege bei der ehemaligen Försterei. Hier lässt sich Damwild beobachten – ein schönes Ziel insbesondere für Familien, aber keineswegs nur für Kinder.

Das Wildgehege fügt sich angenehm in die Umgebung ein. Es entsteht nicht der Eindruck eines klassischen Tierparks. Vielmehr gehört die Begegnung mit den Tieren ganz selbstverständlich zu einem Spaziergang durch den Wald.

Überhaupt besitzt das Niendorfer Gehege eine erstaunliche Vielfalt. Waldwiesen, Teiche und offene Flächen unterbrechen den Baumbestand. Neben den dominierenden Laubbäumen gibt es auch etwas Nadelholz.

Vom Privatwald zum Naherholungsgebiet

Interessant ist auch die Geschichte des Gebietes.

Das Niendorfer Gehege war ursprünglich ein Privatwald beziehungsweise eine Parklandschaft. Noch heute verraten der teilweise ungewöhnliche Baumbestand und die erhaltenen Strukturen diese Vergangenheit. Um die Wende zum 20. Jahrhundert entstanden in und am Gehege zudem repräsentative Landhäuser wohlhabender Hamburger Familien.

Ein bekanntes Beispiel ist die Mutzenbecher-Villa. Sie wurde um 1900 von Hermann Mutzenbecher als Sommerhaus errichtet und gehört heute zu den historischen Besonderheiten des Gebietes.

Auch Niendorf selbst besitzt eine lange Tradition als Hamburger Ausflugsziel. Bereits ab der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich das damalige Bauerndorf zu einem beliebten Ziel für Hamburger. Wohlhabendere Besucher kamen mit der Kutsche, andere machten sich zu Fuß aus Altona oder Eimsbüttel auf den Weg.

Damit setzen die heutigen Spaziergänger eigentlich eine ziemlich alte Hamburger Tradition fort.

Nach der großen Runde kam der Hunger

Nach unserer ausgedehnten Tour durch das Gehege stellte sich schließlich eine ganz praktische Frage:

Wo können wir jetzt etwas essen?

Und ausgerechnet an einem Montag ist das gar nicht so einfach.

Wie so oft haben einige Restaurants zu Beginn der Woche Ruhetag. Nach mehreren Kilometern zu Fuß möchte man allerdings irgendwann nicht mehr lange über Alternativen diskutieren, sondern einfach gemütlich sitzen und etwas essen.

Wir hatten schließlich Glück und fanden doch noch ein geöffnetes Restaurant.

Nach dem langen Spaziergang durch die frische Herbstluft war die Einkehr ein schöner Abschluss unseres Ausfluges. Beine ausruhen, etwas essen und den Tag noch einmal Revue passieren lassen – genauso sollte ein Ausflug enden.

Unser Fazit: Hamburg kann auch Wald

Das Niendorfer Gehege hat uns ausgesprochen gut gefallen. Es braucht hier keine spektakulären Attraktionen. Gerade die Mischung aus altem Wald, weitläufigen Wegen, Wiesen, Wildgehege und historischen Spuren macht den Reiz aus.

Besonders an einem sonnigen Herbsttag zeigt sich das Gebiet von einer wunderschönen Seite.

Wer Hamburg besucht, denkt vermutlich zuerst an Landungsbrücken, Speicherstadt, Elbphilharmonie, Alster oder Hafen. Aber Hamburg besitzt eben auch solche grünen Rückzugsorte. Das Niendorfer Gehege ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

Unser ausgedehnter Rundgang am 5. Oktober hat sich jedenfalls gelohnt – und die erfolgreiche Suche nach einem geöffneten Restaurant an einem Montag sorgte am Ende sogar noch für ein kleines Erfolgserlebnis.

Ein schöner Herbsttag mitten in Hamburg – ruhig, grün und überraschend weit weg vom Großstadtgefühl.

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