Eine musikalische Hommage an AnNa R. und Rosenstolz
Im Mittelpunkt der Show stand die Sängerin und Musicaldarstellerin Julia Vieregge, die gemeinsam mit einer vierköpfigen Live-Band die unvergessenen Lieder von Rosenstolz und AnNa R. auf die Bühne brachte. Vieregge verfügt über langjährige Bühnenerfahrung und beeindruckt durch ihre stimmliche Nähe zur verstorbenen Sängerin. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, AnNa R. zu ersetzen, sondern ihr musikalisches Vermächtnis lebendig zu halten. Die Show wurde bereits vor dem Tod der Künstlerin angedacht und entwickelte sich anschließend zu einer besonderen musikalischen Erinnerung an ihr Leben und Schaffen.
Mit Liedern wie „Liebe ist alles“, „Ich bin ich (Wir sind wir)“, „Gib mir Sonne“, „Auch im Regen“ und „Willkommen“ verbindet sich für viele Menschen ein ganz persönlicher Abschnitt ihres Lebens. Die Musik erzählt von Liebe, Sehnsucht, Hoffnung, Enttäuschung, Mut und dem Wunsch, seinen eigenen Weg zu gehen. Gerade diese Mischung aus emotionaler Tiefe und musikalischer Kraft machte Rosenstolz so besonders. Auch im Lübecker Kolosseum war diese emotionale Verbindung deutlich zu spüren. Der ausverkaufte Saal, die besondere Atmosphäre und die vertrauten Melodien verliehen dem Abend eine Intensität, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
AnNa R. – Eine unverwechselbare Stimme verstummt
AnNa R., mit bürgerlichem Namen Andrea Neuenhofen, wurde am 25. Dezember 1969 in Ost-Berlin geboren. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Musik. Nach der deutschen Wiedervereinigung lernte sie den Musiker und Komponisten Peter Plate kennen. Gemeinsam gründeten sie 1991 das Duo Rosenstolz und schufen damit eines der erfolgreichsten und eigenständigsten Musikprojekte Deutschlands.
Besonders tragisch ist der frühe Tod von AnNa R. im März 2025. Die Sängerin wurde nur 55 Jahre alt. Ihr überraschender Tod löste große Bestürzung aus, denn ihre unverwechselbare Stimme und ihre ausdrucksstarke Persönlichkeit hatten Generationen von Musikliebhabern begleitet. Noch kurz vor ihrem Tod hatte sie an neuen Liedern gearbeitet. Ihre musikalische Kreativität und ihre Leidenschaft für die Bühne waren bis zuletzt ungebrochen.
Rosenstolz – Vom Berliner Geheimtipp zum großen Erfolg
Die Geschichte von Rosenstolz begann Anfang der 1990er-Jahre in Berlin. AnNa R. und Peter Plate verbanden Chanson, Pop, Rock und Elemente des Schlagers zu einem unverwechselbaren musikalischen Stil. In einer Zeit, in der englischsprachige Musik die Charts dominierte, setzten sie konsequent auf deutsche Texte und persönliche Geschichten.
Der Weg zum Erfolg war keineswegs selbstverständlich. Zunächst spielte das Duo vor einem überschaubaren Publikum, entwickelte sich jedoch über die Jahre zu einer festen Größe der deutschen Musikszene. Mit dem Album „Kassengift“ gelang im Jahr 2000 erstmals der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Später folgten weitere große Erfolge und ausverkaufte Konzerthallen. Rosenstolz wurden zu einem musikalischen Phänomen, das sich nicht auf ein bestimmtes Publikum oder eine einzelne Generation beschränken ließ.
Ein ausverkauftes Kolosseum voller Emotionen
Das Lübecker Kolosseum bot mit seinem historischen Ambiente einen ausgesprochen passenden Rahmen für diesen Konzertabend. Der traditionsreiche Saal an der Kronsforder Allee zählt zu den bekannten Kulturstätten der Hansestadt. Seine besondere Architektur und die vergleichsweise persönliche Atmosphäre schaffen eine Nähe zwischen Bühne und Publikum, die gerade bei gefühlvoller Musik besonders zur Geltung kommt.
Für uns war der Abend vor allem emotional geprägt. Die Musik von Rosenstolz ist eng mit Erinnerungen verbunden, und manche Lieder erhalten im Laufe der Jahre eine ganz neue Bedeutung. Wenn eine Künstlerin wie AnNa R. nicht mehr unter uns ist, hört man ihre Musik noch einmal mit anderen Ohren. Vertraute Texte bekommen zusätzliches Gewicht, und aus einem Konzert wird unweigerlich auch ein Moment des Nachdenkens über das Leben, über vergangene Zeiten und über Menschen, die uns begleitet haben.
Julia Vieregge und die Musiker verstanden es, diese besondere Stimmung aufzugreifen. Die kraftvollen Passagen standen im Kontrast zu den leisen, nachdenklichen Momenten. Gerade diese Wechsel machten die musikalische Erinnerung so bewegend. Es war ein Abend, an dem Freude und Traurigkeit dicht beieinanderlagen. Die bekannten Melodien weckten schöne Erinnerungen, während zugleich immer wieder bewusst wurde, dass die unverwechselbare Originalstimme von AnNa R. für immer fehlen wird.
Ein Abend, der in Erinnerung bleibt
Fazit: Unser gemeinsamer Besuch von „AnNa – Lass es Liebe sein“ am 23. Oktober 2026 in Lübeck war ein besonderes kulturelles Erlebnis. Die ausverkaufte Veranstaltung zeigte, welchen Stellenwert die Musik von Rosenstolz auch viele Jahre nach den größten Erfolgen noch besitzt. Es war eine gelungene Verbindung aus musikalischer Unterhaltung, persönlicher Erinnerung und einem respektvollen Gedenken an eine außergewöhnliche Sängerin. Gerade in einer schnelllebigen Zeit, in der musikalische Erfolge oftmals nur von kurzer Dauer sind, beweisen die Lieder von Rosenstolz ihre Beständigkeit. Sie erzählen Geschichten, die Menschen verstehen, weil sie das eigene Leben widerspiegeln. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses außergewöhnlichen Duos. Wir verließen das Lübecker Kolosseum mit vielen Eindrücken und der Gewissheit, einen wirklich besonderen Abend erlebt zu haben. Ein Konzert, das nicht nur musikalisch überzeugte, sondern vor allem das Herz berührte. AnNa R. ist nicht mehr da, aber ihre Musik lebt weiter. Und manchmal braucht es nur ein vertrautes Lied, um Erinnerungen wieder ganz nah werden zu lassen. Ein emotionaler und unvergesslicher Konzertabend in Lübeck, der uns noch lange begleiten wird.















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