Die Energiewende wird häufig mit großen politischen Entscheidungen, Windkraftanlagen, Stromnetzen oder neuen Heizungen verbunden. Dabei findet ein Teil der Energiewende längst im ganz normalen Alltag statt – beispielsweise bei der Frage, wie wir von A nach B kommen. Für mich persönlich hat sich die Mobilität innerhalb weniger Jahre deutlich verändert. Heute fahre ich ein Elektroauto, nutze ein von meinem Arbeitgeber bezuschusstes Deutschlandticket, fahre E-Bike und E-Scooter und erledige kürzere Wege durchaus auch einmal zu Fuß. Gerade nach dem Ende des Tankrabatts 2026 und bei einem Preis von derzeit ungefähr 2,10 Euro für einen Liter Super E10, während Diesel teilweise sogar noch teurer ist, wird deutlich, welche finanziellen Auswirkungen diese Veränderung haben kann. Dabei möchte ich das Elektroauto keineswegs schönrechnen. Es gibt finanzielle Vorteile, aber ebenso Kosten, die teilweise höher ausfallen als bei einem Verbrenner.

Vom Tankrabatt 2022 zum Tankrabatt 2026

Bereits im Sommer 2022 waren die hohen Kraftstoffpreise eines der großen Themen. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine waren die Energiepreise stark gestiegen. Die Bundesregierung reagierte unter anderem mit einer vorübergehenden Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe. Der sogenannte Tankrabatt galt vom 1. Juni bis zum 31. August 2022. Parallel dazu wurde das 9-Euro-Ticket eingeführt, mit dem für drei Monate der öffentliche Nah- und Regionalverkehr bundesweit zu einem außergewöhnlich niedrigen Preis genutzt werden konnte. Nach drei Monaten war beides Geschichte. Schon damals zeigte sich ein grundsätzliches Problem solcher Maßnahmen: Ein Tankrabatt kann die Auswirkungen hoher Kraftstoffpreise vorübergehend abfedern, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Abhängigkeit von Benzin und Diesel.

Vier Jahre später wurde diese Diskussion erneut aktuell. Auch 2026 wurde angesichts stark gestiegener Kraftstoffpreise wieder mit einer zeitlich begrenzten Entlastung reagiert. Doch auch dieser Tankrabatt konnte naturgemäß keine dauerhafte Lösung sein. Nach seinem Ende zeigt sich wieder, was Autofahrer tatsächlich an der Zapfsäule bezahlen müssen. Super E10 kostet derzeit ungefähr 2,10 Euro je Liter, Diesel ist teilweise sogar noch teurer. Wer täglich auf einen Verbrenner angewiesen ist und viele Kilometer zurücklegen muss, merkt solche Preise unmittelbar im Geldbeutel. Bei einem E10-Preis von 2,10 Euro kosten bereits 50 Liter 105 Euro, bei 60 Litern sind es 126 Euro. Gerade für Pendler oder Familien mit hoher jährlicher Fahrleistung können sich steigende Kraftstoffpreise damit schnell zu einer erheblichen Belastung entwickeln.

Meine persönliche Energiewende fährt elektrisch

Meine persönliche Situation hat sich gegenüber 2022 grundlegend verändert. Heute fahre ich mit meinem Lexus RZ 450e vollelektrisch. Statt Literpreis und Tankstellenrabatt interessieren mich inzwischen eher Kilowattstunden und Strompreise. Mein Elektroauto benötigt durchschnittlich ungefähr 22 kWh Strom auf 100 Kilometer. Bei einem Strompreis von rund 28 Cent je Kilowattstunde ergeben sich daraus rechnerische Energiekosten von etwa 6,16 Euro je 100 Kilometer. Zum Vergleich kann man einen Benziner mit einem Verbrauch von sieben Litern Super E10 auf 100 Kilometer heranziehen. Beim derzeitigen Preis von ungefähr 2,10 Euro ergeben sich dafür 14,70 Euro je 100 Kilometer. Der Unterschied beträgt damit bei den reinen Energiekosten rund 8,54 Euro je 100 Kilometer. Auf 10.000 Kilometer hochgerechnet wären das theoretisch rund 854 Euro, bei 15.000 Kilometern ungefähr 1.280 Euro weniger Energiekosten im Jahr.

Allerdings wäre es falsch, daraus abzuleiten, dass ein Elektroauto grundsätzlich immer wesentlich günstiger ist. Ein Auto besteht finanziell schließlich nicht nur aus seinem Energieverbrauch. Anschaffung oder Leasing, Wertverlust, Versicherung, Wartung, Reifen und Reparaturen müssen ebenso berücksichtigt werden. Beim Elektroauto kommen Ladeverluste hinzu, und auch der Ort des Ladens spielt eine entscheidende Rolle. Wer überwiegend zuhause zu einem günstigen Stromtarif laden kann, fährt bei den Energiekosten erheblich günstiger als jemand, der regelmäßig öffentliche Schnellladesäulen nutzen muss. Die Wirtschaftlichkeit eines Elektroautos hängt deshalb stark vom persönlichen Nutzungsprofil ab.

Kfz-Steuer, THG-Prämie und Versicherung

Ein finanzieller Vorteil meines Elektroautos ist derzeit die Befreiung von der Kfz-Steuer. Während für einen vergleichbaren Benziner oder Diesel jährlich Kfz-Steuer anfällt, entstehen mir diese Kosten momentan nicht. Hinzu kommt die sogenannte THG-Prämie. Für mein Elektroauto erhalte ich im Jahr 2026 eine Prämie von rund 270 Euro, die meine jährlichen Fahrzeugkosten rechnerisch entsprechend reduziert. Allerdings schwankt die Höhe der THG-Prämie von Jahr zu Jahr und sollte deshalb nicht als dauerhaft garantierte Einnahme betrachtet werden.

Auf der anderen Seite gibt es Kostenpositionen, bei denen das Elektroauto keineswegs besonders günstig ist. Ein gutes Beispiel ist die Versicherung. Für meinen Lexus RZ 450e zahle ich für die Vollkaskoversicherung rund 750 Euro im Jahr – und das trotz einer persönlichen Einstufung von unter 30 Prozent. Das ist ein durchaus erheblicher Betrag. Moderne Elektroautos können aufgrund ihrer Fahrzeugwerte, aufwendiger Elektronik und hoher Reparaturkosten bei der Kaskoversicherung teuer sein. Sensoren, Kameras und elektronische Komponenten können dazu führen, dass auch vermeintlich kleinere Schäden hohe Reparaturkosten verursachen. Eine ehrliche Rechnung muss deshalb beide Seiten berücksichtigen: niedrigere Energiekosten, Kfz-Steuerbefreiung und THG-Prämie auf der einen Seite sowie Versicherung, Leasing beziehungsweise Anschaffung, Wartung, Reifen und weitere Betriebskosten auf der anderen. Eine pauschale Aussage, dass ein Elektroauto grundsätzlich billiger sei, wäre mir deshalb zu einfach.

Energiewende bedeutet mehr als nur ein Elektroauto

Für mich besteht die persönliche Energiewende ohnehin nicht darin, einen Verbrenner einfach durch ein Elektroauto zu ersetzen. Der wesentlich interessantere Punkt ist die Kombination verschiedener Verkehrsmittel. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei mein Deutschlandticket. Besonders attraktiv wird es dadurch, dass sich mein Arbeitgeber an den Kosten beteiligt und sich mein eigener monatlicher Aufwand für den öffentlichen Nahverkehr entsprechend reduziert. Bus, S-Bahn und Regionalbahn werden damit zu einer echten Alternative zum Auto. Gerade im Großraum Hamburg lassen sich die verschiedenen Verkehrsmittel außerdem gut miteinander kombinieren. Nicht jede Strecke muss vollständig mit dem Auto oder vollständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

Auch E-Bike und E-Scooter haben ihren festen Platz in diesem Mobilitätsmix gefunden. Gerade auf kurzen und mittleren Strecken wäre es wenig sinnvoll, jedes Mal ein großes Auto zu bewegen. Der Energiebedarf eines E-Bikes oder E-Scooters ist gegenüber einem Pkw sehr gering, gleichzeitig bieten beide Verkehrsmittel eine hohe individuelle Flexibilität. Besonders interessant ist für mich ihre Funktion als Verbindung zum öffentlichen Nahverkehr. E-Bike oder E-Scooter können beispielsweise den Weg zwischen Wohnung und Bahnhof oder zwischen einer Haltestelle und dem eigentlichen Ziel überbrücken. Und bei all den Elektrofahrzeugen darf die wahrscheinlich älteste Form der Mobilität nicht vergessen werden: zu Fuß gehen. Nicht jede Strecke benötigt ein Auto, einen Akku oder einen Fahrplan. Gerade auf kurzen Wegen ist das Laufen nicht nur die günstigste, sondern häufig auch die unkomplizierteste Möglichkeit.

Die eigentliche Ersparnis entsteht durch den Mobilitätsmix

Genau darin sehe ich inzwischen den größten Vorteil. Es geht nicht ausschließlich darum, einen Benziner durch ein Elektroauto zu ersetzen. Natürlich ist der Unterschied zwischen rechnerisch rund 6,16 Euro Stromkosten und 14,70 Euro Benzinkosten je 100 Kilometer erheblich. Noch interessanter wird die Rechnung aber, wenn ein Teil dieser Kilometer überhaupt nicht mehr mit einem Auto zurückgelegt wird. Das E-Bike benötigt nur einen Bruchteil der Energie, Ähnliches gilt für den E-Scooter. Beim Deutschlandticket habe ich einen weitgehend festen monatlichen Betrag, der bei mir zusätzlich durch den Arbeitgeber bezuschusst wird. Und zu Fuß kostet der Kilometer weder Benzin noch Diesel noch Strom. Je häufiger ich diese Möglichkeiten sinnvoll miteinander kombiniere, desto weniger Kilometer muss letztlich mein Auto zurücklegen.

Der Tankrabatt von 2022 und die erneute Entwicklung im Jahr 2026 zeigen für mich gleichzeitig, dass staatliche Maßnahmen außergewöhnlich hohe Kraftstoffpreise zwar kurzfristig abfedern können, aber keine dauerhafte Lösung darstellen. Irgendwann endet jeder Tankrabatt. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich durch mein Elektroauto unabhängig von Energiepreisen geworden bin. Auch Strom muss erzeugt, transportiert und bezahlt werden, und auch Strompreise können steigen. Mein Elektroauto verursacht zudem weiterhin erhebliche Fixkosten. Der entscheidende Unterschied besteht für mich darin, dass sich meine Mobilität heute auf mehrere Möglichkeiten verteilt und ich nicht mehr ausschließlich darauf angewiesen bin, einen Tank mit Benzin oder Diesel zu füllen.

Mein Fazit

Vielleicht beschreibt genau das meine persönliche Energiewende am besten. Früher stand bei steigenden Kraftstoffpreisen schnell die Frage im Raum: „Wie teuer ist heute der Liter Benzin?“ Heute frage ich mich wesentlich häufiger: „Welches Verkehrsmittel ist für diesen Weg am sinnvollsten?“ Manchmal lautet die Antwort Elektroauto, manchmal Deutschlandticket, E-Bike oder E-Scooter – und manchmal gehe ich einfach zu Fuß.

Die Energiewende ist für mich damit keine abstrakte politische Diskussion mehr. Sie findet jeden Tag ganz praktisch bei meiner persönlichen Mobilität statt. Mein Elektroauto ermöglicht bei meinem Stromtarif deutlich niedrigere reine Energiekosten als ein vergleichbarer Benziner bei einem E10-Preis von rund 2,10 Euro. Hinzu kommen derzeit die Kfz-Steuerbefreiung und in diesem Jahr eine THG-Prämie von rund 270 Euro. Gleichzeitig möchte ich die Nachteile nicht verschweigen. Rund 750 Euro Vollkaskoversicherung im Jahr, obwohl meine persönliche Einstufung unter 30 Prozent liegt, zeigen beispielsweise, dass ein Elektroauto keineswegs in allen Bereichen günstiger ist.

Für mich liegt der entscheidende Vorteil deshalb nicht allein im Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektromotor, sondern in der Kombination verschiedener Möglichkeiten. Elektroauto, das vom Arbeitgeber bezuschusste Deutschlandticket, E-Bike, E-Scooter und die eigenen Füße ergänzen sich. Dadurch bin ich nicht vollkommen unabhängig von Energie- und Mobilitätskosten geworden, aber deutlich weniger abhängig von Benzin, Diesel und der nächsten Tankstelle.

Energiewende bedeutet für mich deshalb nicht Verzicht auf Mobilität. Sie bedeutet vor allem, mehr Möglichkeiten zu haben – und für jeden Weg selbst entscheiden zu können, welche davon gerade die sinnvollste ist.

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