Im August 2026 führte uns unser gemeinsamer Berlin-Besuch auch zu einem Ort, der auf besondere Weise deutsche, brandenburgische und preußische Geschichte miteinander verbindet: in die Hohenzollerngruft im Berliner Dom. Gerade in diesem Jahr war der Besuch besonders interessant, denn die historische Grablege war erst wenige Monate zuvor nach einer mehrjährigen Sanierung wieder für die Öffentlichkeit geöffnet worden.
Schon der Berliner Dom selbst gehört mit seiner mächtigen Kuppel zu den auffälligsten Bauwerken in der historischen Mitte Berlins. Doch unterhalb der prachtvollen Kirchenräume verbirgt sich ein Bereich, der einen ganz anderen Charakter besitzt. Die Hohenzollerngruft ist kein gewöhnliches Museum, sondern bis heute eine historische Grablege. Entsprechend ruhig und beinahe zurückhaltend wirkt die Atmosphäre zwischen den zahlreichen Sarkophagen.
500 Jahre Geschichte unter dem Berliner Dom
Die Ursprünge der Grablege reichen bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. Nachdem Kurfürst Joachim II. die ehemalige Dominikanerkirche am Berliner Schloss zur Domkirche bestimmt hatte, wurden die darunterliegenden Gewölbe zur Grablege seiner Familie. Um 1542 ließ er auch die Gebeine seines Vaters und Großvaters dorthin überführen.
Die Geschichte der Gruft verlief allerdings keineswegs geradlinig. Gebäude wurden abgerissen, neu errichtet und die Särge mehrfach umgebettet. Friedrich der Große ließ 1747 die damalige Kirche einschließlich der Gruft abreißen. Auf der anderen Seite des Lustgartens entstand anschließend ein neuer Dom. Bei der Überführung der Särge Ende Dezember 1749 gingen sogar einige der ältesten Bestattungen verloren – ein bis heute nicht vollständig geklärtes Kapitel der Geschichte.
Heute zählt die Hohenzollerngruft zu den bedeutendsten dynastischen Grablegen Europas. Insgesamt befinden sich hier 91 Bestattungen aus der Zeit vom Ende des 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Damit lassen sich rund 500 Jahre brandenburgisch-preußischer Bestattungs- und Erinnerungskultur nachvollziehen. Zu den hier bestatteten Persönlichkeiten gehören unter anderem der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, König Friedrich I., Sophie Charlotte und Königin Elisabeth Christine.
Besonders interessant sind dabei die ganz unterschiedlichen Sarkophage. Manche erscheinen vergleichsweise schlicht, andere sind ausgesprochen aufwendig gearbeitet und reich verziert. Stein, Metall und Holz wurden verwendet, teilweise sind sogar historische Textilien wie Samt und Brokat erhalten geblieben. Die Gestaltung der Grabmäler spiegelt unterschiedliche Kunstepochen wider und macht deutlich, wie sich auch der Umgang mit Tod, Herrschaft und Repräsentation über die Jahrhunderte verändert hat.
Eine Gruft mit bewegter Vergangenheit
Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ hier schwere Spuren. Bei der Bombardierung des Berliner Doms und durch den Einsturz von Teilen der beschädigten Hauptkuppel wurde die Hohenzollerngruft erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Einige Särge wurden nahezu vollständig zerstört.
Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem weiteren Wiederaufbau des Doms wurden die erhaltenen Sarkophage restauriert und neu geordnet. Seit 1999 war die Gruft öffentlich zugänglich. Zuvor hatte sie noch über das Ende der Monarchie 1918 hinaus zum Privateigentum des ehemaligen Herrscherhauses gehört und konnte nur von ausgewählten Personen nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden.
Unser Besuch kurz nach der großen Wiedereröffnung
Unser Besuch im August 2026 fiel nun in eine ganz besondere Phase. Im April 2020 war die Hohenzollerngruft für umfangreiche Bau- und Sanierungsarbeiten geschlossen worden. Die wertvollen Särge wurden ausgelagert und während der Arbeiten sicher in Berlin verwahrt. Erst im Herbst 2025 kehrten sie in die Gruft zurück. Nach mehr als zehn Jahren Planung und rund sechs Jahren Bauzeit wurde die Hohenzollerngruft schließlich am 1. März 2026 wiedereröffnet.
Damit gehörten wir im August zu den Besuchern, die die vollständig überarbeitete Grablege bereits wenige Monate nach ihrer Wiedereröffnung erleben konnten.
Bei der Sanierung ging es nicht nur um eine optische Erneuerung. Ein wesentliches Ziel war der langfristige Schutz der historischen Sarkophage. Eine neue Klimaanlage sorgt nun für stabilere Bedingungen, denn Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen hatten zuvor unter anderem Schimmel, Risse und Schäden an Farbschichten verursacht. Gleichzeitig wurde ein neues Lichtkonzept entwickelt, das die Architektur der Gruft sichtbar macht und gezielt Details wie Vergoldungen, Reliefs, Stoffbespannungen und andere Verzierungen hervorhebt.
Neu ist außerdem ein eigener Vermittlungsbereich. Ein interaktives Modell und weitere Informationen erläutern die Geschichte der Hohenzollern, die Entwicklung der Grablege und die Anordnung der einzelnen Särge. Dadurch erschließt sich die Gruft heute deutlich stärker als historischer Lernort. Gleichzeitig wurde bei der Sanierung die Barrierefreiheit des Berliner Doms wesentlich verbessert.
Interessant ist auch die Dimension des gesamten Projektes. Nach Angaben des Berliner Doms lag die Kostenprognose im Frühjahr 2026 bei rund 30,4 Millionen Euro. Die Wiedereröffnung markierte damit den Abschluss der größten Baumaßnahme am Berliner Dom seit dessen Wiederaufbau.
Geschichte bekommt plötzlich Gesichter
Für uns war der Gang durch die Hohenzollerngruft vor allem deshalb beeindruckend, weil Geschichte hier unmittelbar greifbar wird. Namen, die man sonst aus Geschichtsbüchern, Dokumentationen oder von Straßenschildern kennt, stehen plötzlich auf Sarkophagen unmittelbar vor einem. Aus abstrakter preußischer Geschichte werden einzelne Menschen und Familien.
Dabei sollte man die Hohenzollerngruft nicht ausschließlich als Präsentation königlicher Pracht betrachten. Sie erzählt ebenso von Vergänglichkeit, Familiengeschichte, politischen Umbrüchen und dem Ende einer Epoche. Das Haus Hohenzollern prägte Brandenburg und Preußen über Jahrhunderte und stellte ab 1871 schließlich auch die deutschen Kaiser. Mit der Novemberrevolution 1918 endete die Monarchie – die Grablege blieb jedoch bestehen und wurde damit selbst zu einem historischen Zeugnis dieser untergegangenen Herrschaftsordnung.
Dass der Berliner Dom die Gruft heute ausdrücklich als Ort der Totenruhe versteht, ist deshalb passend. Die neue Gestaltung versucht, touristische und historische Vermittlung mit dem besonderen Charakter einer tatsächlichen Grablege zu verbinden. Seit Mai 2026 gibt es zudem eine neu gestaltete Gruftkapelle, die für kleinere Gottesdienste, Andachten und Kammermusik genutzt werden kann.
Ein besonderer Ort unseres Berlin-Besuchs
Der gemeinsame Besuch der Hohenzollerngruft war für uns deshalb weit mehr als ein zusätzlicher Programmpunkt in Berlin. Unterhalb einer der bekanntesten Kirchen Deutschlands begegnet man mehreren Jahrhunderten deutscher Geschichte auf erstaunlich engem Raum.
Gerade der Zeitpunkt unseres Besuches im August 2026 machte den Rundgang zusätzlich interessant: Nur wenige Monate nach der Wiedereröffnung konnten wir die Hohenzollerngruft in ihrer vollständig sanierten und neu konzipierten Form erleben.
Der Kontrast ist dabei bemerkenswert. Draußen befindet man sich mitten im lebhaften Berlin, unmittelbar an Museumsinsel, Lustgarten und Humboldt Forum. Wenige Schritte später steht man unter dem Berliner Dom zwischen jahrhundertealten Sarkophagen. Genau diese Mischung aus Metropole, Architektur und unmittelbar erlebbarer Geschichte macht Berlin für uns immer wieder spannend.
Die Hohenzollerngruft gehört für geschichtlich Interessierte deshalb aus unserer Sicht zu den besonders sehenswerten Orten der Hauptstadt. Sie erzählt nicht nur von Königen und Kurfürsten, sondern auch von Krieg und Zerstörung, Wiederaufbau und dem heutigen Umgang mit einem schwierigen und zugleich bedeutenden historischen Erbe.
Weitere Informationen bietet der Berliner Dom – Hohenzollerngruft.





















Schreibe einen Kommentar