Im August 2026 sorgten plötzlich ungewöhnliche Geräusche in unserem Wohnzimmer für Aufmerksamkeit. Ein kräftiges Brummen und Flattern war zu hören – fast so, als würde irgendwo im Raum ein kleiner Hubschrauber seine Runden drehen. Die Ursache war ebenso überraschend wie beeindruckend: Gleich zwei Blaugrüne Mosaikjungfern (Aeshna cyanea) hatten sich in unser Wohnzimmer verirrt. Mit ihren schnellen Flugmanövern und kräftigen Flügelschlägen waren die beiden Großlibellen kaum zu überhören. Offenbar suchten sie nach einem Weg zurück ins Freie. Dabei wurde jedoch das Fensterglas zum Hindernis. Immer wieder orientierten sich die Tiere zum einfallenden Tageslicht, ohne die transparente Scheibe als Barriere erkennen zu können.

Rettung mit Glas und Untersetzer

Damit sich die beiden Libellen bei ihren Ausflugversuchen nicht verletzten, war ein wenig Unterstützung erforderlich. Wir entschieden uns für eine einfache und möglichst schonende Methode: ein großes Glas und einen Untersetzer.

Nachdem sich die erste Mosaikjungfer niedergelassen hatte, wurde das Glas vorsichtig über sie gesetzt und anschließend der Untersetzer langsam daruntergeschoben. So konnte die Libelle nach draußen gebracht werden, ohne ihre empfindlichen Flügel anzufassen.

Anschließend wiederholten wir die kleine Rettungsaktion mit der zweiten Libelle. Beide Blaugrünen Mosaikjungfern konnten schließlich unverletzt in unserem Garten wieder in die Freiheit entlassen werden.

Eine beeindruckende Großlibelle

Die Blaugrüne Mosaikjungfer gehört zur Familie der Edellibellen und zählt mit einer Körperlänge von ungefähr sieben bis acht Zentimetern und einer Flügelspannweite von rund zehn Zentimetern zu den auffälligen heimischen Großlibellen.

Trotz ihrer stattlichen Größe und des beeindruckenden Fluggeräusches ist sie für Menschen ungefährlich. Libellen besitzen keinen Giftstachel und können Menschen nicht stechen. Vielmehr sind sie hervorragende Flugjäger und erbeuten unter anderem Mücken und Fliegen direkt in der Luft.

Ihre Flugkünste sind bemerkenswert: Libellen können abrupt die Richtung wechseln, nahezu auf der Stelle schweben und sogar rückwärts fliegen. In einem geschlossenen Raum wirken ihre Flügenschläge entsprechend laut – und bei zwei gleichzeitig umherfliegenden Mosaikjungfern erinnerte das Geräusch tatsächlich ein wenig an einen kleinen Hubschrauber.

Häufig, aber trotzdem ein besonderer Besuch

Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist in Deutschland nicht selten. Sie gehört zu den häufigeren Großlibellen und gilt als ungefährdet. Auch in Schleswig-Holstein ist die Art verbreitet.

Ausgewachsene Tiere sind nicht ausschließlich unmittelbar an Gewässern anzutreffen. Auf ihren Jagdflügen entfernen sie sich teilweise deutlich vom Wasser und besuchen dabei auch Gärten, Parks und Siedlungsbereiche. Der August liegt mitten in ihrer typischen Flugzeit.

Dass eine Blaugrüne Mosaikjungfer durch ein geöffnetes Fenster oder eine Tür in ein Gebäude gelangt, kann daher durchaus vorkommen. Dass sich gleich zwei Exemplare gleichzeitig in unser Wohnzimmer verirrt hatten, machte die Begegnung dennoch außergewöhnlich.

Das längste Leben findet unter Wasser statt

Interessant ist auch die Lebensgeschichte der Blaugrünen Mosaikjungfer. Den größten Teil ihres Lebens verbringt sie zunächst als Larve unter Wasser. Diese Entwicklungsphase dauert typischerweise etwa ein bis zwei Jahre.

Ist die Entwicklung abgeschlossen, verlässt die Larve das Wasser und klettert beispielsweise an einer Pflanze empor. Dort schlüpft die fertige Libelle aus ihrer Larvenhaut. Zurück bleibt die leere Hülle, die sogenannte Exuvie.

Das Leben als ausgewachsene fliegende Libelle ist dagegen wesentlich kürzer und dauert lediglich einige Wochen bis wenige Monate.

Ein Irrflug mit glücklichem Ausgang

Was zunächst mit einem merkwürdigen Brummen und Flattern begann, wurde zu einer interessanten Naturbeobachtung aus nächster Nähe.

Am Ende brauchte es nicht viel: Glas, Untersetzer und etwas Geduld genügten, um unsere beiden ungewöhnlichen Besucher sicher nach draußen zu bringen.

Wenig später waren beide Blaugrünen Mosaikjungfern wieder dort, wo sie hingehörten – draußen im Garten und in Freiheit.

Und im Wohnzimmer war es nach dem Abflug der beiden kleinen „Hubschrauber“ plötzlich wieder erstaunlich ruhig.

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